Eine Abenteuer-Exkursion im Harz

 

Die BG Celle war mal wieder im Harz unterwegs – und man kann dort immer noch Abenteuer erleben. Zunächst besuchten wir im Südwestharz den Gipskarstweg bei Düna im Hainholz. Südlich des Harzes sind in einem schmalen Streifen Dolomit, Anhydrit und Gips aus der Zechsteinzeit aufgeschlossen. Dort befinden sich auch viele Gips-Steinbrüche und Höhlen. Typische Karstformen wie Dolinen, Schlotten und Erdfälle werden auf einem 1,2 km langen Rundweg an mustergültigen Beispielen erläutert. Leider haben „dumme Jungen“ die Erläuterungstafeln teilweise zerkratzt und Wegweiser zerstört, so dass wir auch mal herumgeirrt sind – aber in der schönen Südharz-Landschaft haben wir es als zusätzlichen Spaziergang genossen.

 

Dann ging es nach St. Andreasberg, wo wir mit unserem Harzer „Urfreund“ Dr. Ließmann den Beerberger Stollen „befuhren“ – also begingen und bekletterten, womit das Abenteuer begann. Dr. Wilfried Ließmann ist die Kapazität für Harzer Bergbaugeschichte und Mineralogie, sein erstmals 1992 und seitdem in mehreren Auflagen erschienenes Buch „Historischer Bergbau im Harz“ ist ein Klassiker. Wir haben mit ihm schon herrliche Exkursionen im Harz und auch nach Norwegen unternommen. In der alten Bergbaulandschaft des Beerberges betreibt die Arbeitsgruppe Bergbau des „St. Andreasberger Vereins für Geschichte“ das Lehrbergwerk „Roter Bär“. Es ist kein Besucherbergwerk, sondern das Spannende ist gerade, dass man auf den Spuren der alten (und neuen) Bergleute teilweise durch den Berg kriechen und klettern kann. Nicht nur die alte Eisengrube „Roter Bär“, sondern auch ehemalige Blei-Zink-Silber-Bergwerke wie die „Grube Wennsglückt“ sind von der Arbeitsgruppe erforscht und wieder begehbar gemacht worden.

 

Geologisch besonders interessant ist der jetzt in Arbeit befindliche „Beerberger Stollen“, der erst um 1830 in dem alten Bergbaugebiet als Suchort, also zur Suche nach lohnenden neuen Erzvorkommen, geradeaus ca. 500 m in den Beerberg getrieben wurde. Zwar wurde damals und auch bei späteren neuen Aktionen kein lohnendes Vorkommen gefunden. Aber es ist sehr interessant, dass dieser Stollen alte Bauten anderer Bergwerke, den so genannten „Alten Mann“, angeschnitten hat, die jetzt erforscht werden. In einige konnten wir über nasse, lehmige und enge Eisenleitern ein Stückchen vordringen – gut, dass wir gewarnt waren und nicht unsere „Sonntags-Ausgeh-Klamotten“ trugen. Besonders interessant war auch, dass wir durch eine Ruschelzone („Edelleuter Ruschel“) kamen, eine geologische Überschiebungszone, wo der harte Schiefer zu Lehm zermahlen ist: Denn der ehemals sehr reiche St. Andreasberger Silberbergbau beruht geologisch darauf, dass das Gebiet der Silbervorkommen durch mehrere solcher Ruscheln begrenzt wird, die die aufsteigenden silberhaltigen Thermalwässer sozusagen eingefangen haben. Dass in alten Bergwerken Wasser tropft und gluckert ist nur natürlich, schließlich muss das eindringende Grundwasser über die Wassersaige am Rand des mit leichtem Gefälle talwärts verlaufenden Stollens abfließen. Allerdings war es teilweise im Beerberger Stollen doch ganz schön viel Wasser, in das ein Steinfreund prompt rutschte und sich nasse Hosen und auch einen Schnupfen holte. Aber insgesamt war es ein sehr eindrucksvolles Erlebnis.

                                                                                 

Im Internet ist viel über die Geologie, Bergbaugeschichte und Mineralogie des Beerberges sowie die Gruben und den Geologisch-bergbaugeschichtlichen Wanderweg nachzulesen unter www.lehrbergwerk.de mit vielen Zeichnungen und Fotos. Und natürlich im schon genannten Buch von Dr. Ließmann und in seinem neueren Buch „Der Bergbau am Beerberg“.

 

Harald Stammann, BG Celle

 

 

Einige Teilnehmer vor dem Stollenmundloch des Beerberger Stollen in St. Andreasberg (2. von rechts Dr. Ließmann)
Einige Teilnehmer vor dem Stollenmundloch des Beerberger Stollen in St. Andreasberg (2. von rechts Dr. Ließmann)

Protokoll der Exkursion in das Erzgebirge und Granulitgebirge

Landschaftsmodell mit Tagebau im Heimatmuseum Callenberg-Reichenbach
Landschaftsmodell mit Tagebau im Heimatmuseum Callenberg-Reichenbach
Vitrinen im Heimatmuseum Reichenbach mit einer wunderbaren Lagerstättensammlung
Vitrinen im Heimatmuseum Reichenbach mit einer wunderbaren Lagerstättensammlung

Exkursionsleitung: K.Ölscher und Dieter Siebert

Unterkunft im Hotel Beierleins in Callenberg-Reichenbach.

CALLENBERG 

Der Name Callenberg lässt  Mineralienfreunde aufhorchen:

Hier wurden in der Vergangenheit hervorragende Stufen des Minerals KROKOIT gefunden, die bei Sammlern weltweit begehrt waren.

Bis in die 1980er Jahre wurden im Raum Callenberg/St.Egidien Nickel abgebaut.

Das Nickelerzvorkommen bei Callenberg galt seinerzeit als das größte in Mitteleuropa. Die einzelnen Teilgebiete wurden im Tagebaubetrieb abgebaut und mittels eigener Erzbahn zur Nickelhütte St.Egidien transportiert.

Nur wenige Schritte von unserem Hotel entdeckten wir - eher zufällig -

bei einem Spaziergang im Ortsteil Reichenbach (Straße des Friedens ) eine Infotafel  "Der Nickelerztagebau in Reichenbach und Obercallenberg" vor dem Gebäude der Kulturellen Begegnungsstätte der Gemeinde Callenberg.

Die Räume der Kulturellen Begegnungsstätte beherbergen eine Dauerausstellung, die an die Zeit des Abbaus erinnert.

Zu sehen ist ein großes Modell des Gebietes des Erzabbaus mit Lagerstätten, Grubenbahn und Dorfansichten, weiterhin viele in den Erzgruben gefundene Mineralien. Leider ist die Dauerausstellung nur Dienstag und Donnerstag geöffnet.

Diese tolle und sehr informative  Lagerstättensammlung hat eigentlich mehr Beachtung verdient. Die Vitrinen enthalten neben  Krokoit-Stufen auch viele Serpentinite in verschiedenen Farben und andere Minerale der Nickel-Paragenese.

 

Aktuell und sehr informativ:

der Aufschluss
Ausgabe  4 2014:

Frank Löcse:

"Die Nickelerzlagerstätten am Südwestrand des Sächsischen Granulitgebirges".

 

 

 

 

Chemnitz (Zeisigwald)

In Chemnitz besuchten wir den aufgelassenen Porphyrtuff -  Steinbruch im Zeisigwald (Dresdner Str./Hohlweg). Herr Jürgen Zindel aus Chemnitz hat uns mit der Geologie des Chemnitzer Raumes vertraut gemacht.

Aufgelassener Steinbruch (Porphyr-Tuff) im Zeisigwald in Chemnitz
Aufgelassener Steinbruch (Porphyr-Tuff) im Zeisigwald in Chemnitz
Zugang zum Steinbruch
Zugang zum Steinbruch
Gebäude aus dem anstehenden Porphyrtuff in der Nähe des Steinbruchs
Gebäude aus dem anstehenden Porphyrtuff in der Nähe des Steinbruchs

Wir hatten auch Gelegenheit, eine wissenschaftliche Grabungsstelle im Stadtgebiet von Chemnitz zu besichtigen. Fossiles Holz,  z.T. blau fluoritisiert und Pflanzenreste im Porphyrtuff wurden gefunden.

Hinweis am Zaun der Grabungsstelle
Hinweis am Zaun der Grabungsstelle
Baumstumpf
Baumstumpf

Im Anschluss besuchten wir das Naturkundemuseum Chemnitz mit dem

Versteinerten Wald, dem größten Schachtelhalm der Welt, die Kieselholz Sammlung, Paläobotanische Sammlung  und die Petrographische Sammlung

(Vulkangesteine).

Danach hatten wir Gelegenheit, die beeindruckende Sammlung von Herrn Zindel zu besichtigen.

Verkieselte Baumstämme im Eingangsbereich des Museums
Verkieselte Baumstämme im Eingangsbereich des Museums

Serpentin-Stadt Zöblitz (Erzgebirge)

Am folgenden Freitag fuhren wir nach Zöblitz, wo wir eine geführte Mineraliensuche bei der Erzgeb. Bergbauagentur Zöblitz vereinbart hatten.

Wir wurden in der rustikalen Kaue von dem Leiter, Herrn Richter, empfangen.

Es folgte eine ausführliche Einführung in die geologische und bergbauliche Situation des Marienberger Bergbaureviers an Hand von Belegstücken und Bergbaukarten.

Marienberger Bergbaurevier
Marienberger Bergbaurevier

Befahrung des Serpentin - Steinbruchs Zöblitz.

Es wurden reichlich Belegstücke von verschiedenen Serpentin - Gesteinen, wunderschöne Granat (Pyrop) xx in dunklem Serpentin, Chrysotil u.a.m.

gefunden.

Anschließend besuchten wir das Heimatmuseum (Serpentinsteinmuseum).

Maschinen und Werkzeuge zur Serpentinstein - Bearbeitung konnten besichtigt werden.

Fortsetzung der Exkursion zu Halden der Eisenerzgrube Wilhelmine bei Pobershau/Brettmühle

Silbererzhalde der Grube St.Johannes bei Wolkenstein

Es wurden Belegstücke von Baryt, Fluorit und Bleiglanz gefunden.

Amethystfundstelle "Kleines Kindlein" bei Huth-Vorwerk

Zurück zur Kaue und der Werkstatt der Bergbauagentur

Ein erlebnisreicher Tag ging zu Ende.

In der Werkstatt wurden die Fundstücke auf Wunsch von Herrn Richter zurecht gesägt, ein toller Service! 

 

K.ÖLSCHER 2010

Die Mineralienschau " terra mineralia" in Freiberg

Beherbergt  die Mineralienschau "terra mineralia": Das Schloss Freudenstein in Freiberg
Beherbergt die Mineralienschau "terra mineralia": Das Schloss Freudenstein in Freiberg
Innenhof: Hofpflaster mit Kristallformen
Innenhof: Hofpflaster mit Kristallformen

Ein geologisches Jahrhundertprojekt- Besuch bei der Kontinentalen Tiefbohrung (KTB)

Die VFMG-Bezirksgruppe Celle besuchte im Juli 1992 die Kontinentale Tiefbohrung der Bundesrepublik Deutschland (KTB) bei Windischeschenbach in der Oberpfalz. Dieses Jahrhundertprojekt der geologischen Grundlagenforschung lag den Cellern besonders am Herzen, weil Celler Firmen beteiligt waren. Celle ist seit der ersten Erdölbohrung 1858/59 in Wietze bei Celle Sitz vieler Firmen der Ölbohrindustrie. Die Celler Bohrfirma ITAG war am Bau des Bohrturms beteiligt, andere Betriebe an der Entwicklung von speziellen Bohrturbinen, Mess- und Steuereinrichtungen und ähnlichen Geräten für den Einsatz im Bohrloch.

 

Mit der KTB wurde erstmals 9000 m tief in kristallines Gestein gebohrt, wozu Bohrgerät der Sonderklasse notwendig war. Damit sollten die Zustände des Grundgebirges in dieser Tiefe erforscht werden und zwar durch Gesteinsproben und Messungen aus dem Bohrloch. Die technischen Schwierigkeiten waren dabei durch den hohen Druck und die große Hitze in dieser Tiefe immens. Der Bohrturm, der noch heute als Denkmal des Geozentrums steht, ist 83 m hoch, damit beim Wechseln eines abgenutzten Bohrmeißels, was teilweise schon nach nur wenigen Bohrmetern erforderlich wurde, jeweils 40 m Gestänge in einem Schritt gezogen werden konnten. Eine automatische Vertikalsteuerung über der Bohrturbine in der Tiefe sorgte für fast genau senkrechtes Bohren, damit zusätzliche Reibungen durch Windungen des Bohrloches vermieden wurden.

Auch die Bohrspülung war völlig neu entwickelt worden, um in der großen Tiefe und bei der hohen Temperatur ihre Aufgaben erfüllen zu können:

    - Druckausgleich und Offenhalten des Bohrlochs,

    - Antrieb und Kühlung der Bohrturbine, die über dem Meißel

       am Ende des Gestänges sitzt,

    - Förderung des Bohrkleins, also des erbohrten Gesteins nach

      über Tage zur Untersuchung.

 

Diese technischen Voraussetzungen wurden den Teilnehmern an Hand der lagernden Bohrmeißel, Stangen und Turbinen erklärt und gezeigt.

Erläuterung der Rollenmeißel
Erläuterung der Rollenmeißel

Dann wurde die Besucherplattform über der Arbeitsbühne des Turmes erstiegen, während das Gestänge nach einem Meißelwechsel gerade wieder eingefahren wurde. Während auf einem herkömmlichen Bohrturm dabei 3 Männer hart arbeiten müssen, um neue Bohrstangen an den Strang anzuschrauben, war es bei der KTB nur ein Mann, weil das Gestänge automatisch durch eine riesige Maschine mit 2 Armen, dem Pipehandler, bewegt und mit einer weiteren Maschine verschraubt wurde. 

Rechts der Fuß des gelben Pipehandlers, links die rote Maschine verschraubt die Gestängeteile
Rechts der Fuß des gelben Pipehandlers, links die rote Maschine verschraubt die Gestängeteile

Als nächstes wurde den Teilnehmern das Feldlabor gezeigt, in dem das Bohrklein und auch die teilweise aufwändig gezogenen Bohrkerne untersucht wurden. Das Gestein wurde nicht nur mineralogisch und chemisch bestimmt, sondern auch auf Magnetisierung, Strahlung, Gesteinseinschlüsse u.a. untersucht. An einzelnen Bohrkernen konnte man gut die starke Verfaltung des Gesteins erkennen.  

Die Teilnehmer vor dem Feldlabor
Die Teilnehmer vor dem Feldlabor

Die Bohrung nahe der Grenze zwischen den geologischen Großeinheiten Moldanubikum und Saxothuringikum, also der Grenze zwischen 2 ehemals getrennten Erdkrusten-Platten, konnte die Bedingungen in dieser Kollisionszone wesentlich erhellen. Allerdings musste die Bohrung in 9000 m Tiefe abgebrochen werden, weil die technischen Probleme durch Druck und Hitze zu groß wurden ( und der Etat erschöpft war). Außerdem war das Gestein in der Tiefe dieser Zone teilweise nicht mehr kompakt, sondern zerbrochen, so dass die Stabilität des Bohrloches schwierig zu bewerkstelligen  war.

 

Der Projektleiter Prof. Emmermann nannte die KTB zu Recht "ein Jahrhundertprojekt, das sich in technischer und wissenschaftlicher Hinsicht durchaus mit der Eroberung des interplanetaren Weltraums vergleichen lässt".

 

                                                   Harald Stammann, 2009